Claudia am 22. März 2025 — 24 Kommentare

Wieder Wehrpflicht: Brauchen wir die wirklich?

Wolfgang v. Sulecki bricht auf seinem Blog RELAtief eine Lanze für die Wehrpflicht, deren Wiedereinführung laut einer Umfrage der Meinungsplattform YouGov aktuell von einer Mehrheit der Bundesbürger gewünscht wird. Er schreibt dazu:

„Wie sich herausstellt war die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht schon zur Zeit des dafür notwendigen Beschlusses ein Fehler. Der allgemine *Erziehungsfaktor* zur staatsbürgerlichen Verantwortung der Generationen wurde durch ein *laissez-faire*-System ersetzt. Der Beliebigkeit des Staatsverständnisses, ja des Demokratieverständnisses wurde abrupt Tür und Tor geöffnet.“

Wirklich? Hat denn die zwangsweise Einberufung großer Teile der männlichen (!) Jugend wirklich mehr „staatsbürgerliche Verantwortung“ gebracht? Und was war mit den Frauen? Die durften ganz ungestört einem beliebigen Staatsverständnis frönen und niemand hat sich dran gestört!

Mich wundert dieser Blogpost! Ich bin uralt genug, um mich gut an die Zeiten der Wehrpflicht zu erinnern: Es war eine leidige Pflicht, der man gerne entkommen wollte: Durch Zivildienst oder Umzug nach Berlin. Und jene, die Wehrdienst leisteten, machten es, weil der kürzer war als Zivildienst, nicht aufgrund toller Motive wie „Demokratie durch Dienst an der Waffe stützen“ oder dergleichen!

„Es geht also nicht um das WOLLEN,
sondern Erfüllung einer (bitteren) NOTWENDIGKEIT
wenn das Staatswesen und bürgerliche Freiheiten erhalten bleiben sollen!“

Von „bitterer Notwendigkeit“, die jeder einsehen konnte, war zu Zeiten des kalten Kriegs unter dem Schutz der USA keine Rede. Der Wehrdienst wurde als Zeit sinnlosen Herumhängens in Kasernen erlebt, wenn die Zeit der drastischen (und viele körperlich überfordernden) Grundausbildung vorbei war. Artikel 5 und die atomare Abschreckung erschien als völlig ausreichend, warum also Hunderttausende als Fußvolk halten – wozu? Deshalb war es sinnvoll und kein „Fehler“, die Wehrpflicht auszusetzen, sie sogar faktisch abzuschaffen, denn die Infrastruktur dazu wurde auch nicht weiter erhalten.

Heute sieht das wegen Trump und Putin wieder anders aus, das sehe ich auch so. Ob es aber eine WehrPFLICHT braucht, um Europa ohne die USA wieder verteidigungsfähig zu machen (oder auch nur das neue Soll der NATO zu erfüllen), da bin ich mir nicht so sicher!

In der YouGov-Umfrage fanden insgesamt 56% der Befragten die Wiedereinführung der Wehrpflich „eher sinnvoll“ óder „voll und ganz sinnvoll“. 12% hatte noch keine Meinung dazu. Bei den potenziell Betroffenen zwischen 18 und 25 fanden das Vorhaben 26 % „eher sinnvoll“, 8 % standen „voll und ganz“ dahinter, 16 % wussten noch nicht, was sie davon halten sollen. Das wird meist hämich kommentiert: Aha, die Älteren wollen also die Jugend in den Wehrdienst schicken, die das aber zu 51% ablehnen! Man könnte es aber auch positiv sehen: Immerhin 34 % finden die Wehrpflicht sinnvoll – das ist doch ein ordentliches Potenzial, aus dem man vielleicht genügend Freiwillige gewinnen könnte.

Freiwillige vor!

Sechs Millionen Bundesbürger/innen sind zwischen 18 und 24 Jahre alt, grob geschätzt sind die Hälfte davon männlich. Das sind doch recht viele! Und weiter: Zum freiwilligen Dienst können auch Ältere gewonnen werden und seit 2001 stehen auch Frauen alle Laufbahnen einschließlich der Kampftruppen offen. Auf bundeswehr.de wird zur aktuellen Lage gemeldet:

„Nach Jahren des Schrumpfens ist die Bundeswehr seit dem Jahr 2016 personell wieder auf Wachstumskurs…. Derzeit sichern über 260.000 Menschen – 182.857 in Uniform und 80.973 in Zivil – die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.“

Braucht es da wirklich die Wehrpflicht? Oder sollte man nicht eher die Anreize, die Bezahlung und die Rahmenbedingungen für die Freiwilligen verbessern? Ich hab‘ kürzlich gelesen, die Schwierigkeiten, mehr Freiwillige zu gewinnen, läge nicht grundsätzlich an mangelnder Bereichtschaft, sondern wesentlich daran, dass sich die Leute im freiwilligen Wehrdienst langweilen! Auch das mangelhafte Euqipment spielt dabei eine Rolle – und das sollte jetzt – mit so viel Geldregen – doch eigentlich besser werden. Wenn die Realität des Dienstes den Action-intensiven Werbevideos („wir sind modern und schlagkräftig, wir arbeiten im Team und mit neuester Technik„) mehr ähneln würde, hätten vielleicht mehr junge Menschen Bock drauf.

Panzer

Und warum eigentlich nicht von den USA lernen? Über den den Wehrdienst zur Staatsbürgerschaft:

„Die Zahl der aktiven Soldaten in den USA nimmt seit Jahren ab. Deshalb werden rund 8000 Ausländer jedes Jahr ins US-Militär aufgenommen, die meisten kommen aus Mexiko oder den Philippinen. Im Gegenzug können sie die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten.“

Ich glaube nicht an die Wiedereinführung der Wehrpflicht, auch weil das bedeuten würde, jede Menge Unwillige in den Dienst zu zwingen – bei riesigem organisatorischem Aufwand! Der Beschluss der letzten Bundesregierung, alle anzuschreiben, die 2025 volljährig werden und das Interesse abzufragen, um Freiwillige zu gewinnen, geht dagegen in die richtige Richtung.

Was meint Ihr?

 

 

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24 Kommentare zu „Wieder Wehrpflicht: Brauchen wir die wirklich?“.

  1. Ich war ja bei der Bundeswehr, wenn auch nur kurz, also drei Monate aktiv, danach passiv, krank zu Hause, weil ich mir eine Verletzung zugezogen hatte und der Kopf auch nicht so wollte, aber eine demokratische Erziehung habe ich da jetzt nicht mitbekommen. Bei der Bundeswehr geht es ja auch nicht um Demokratie, es geht um Hierarchien, die eingehalten werden müssen. Es geht darum, Befehle nicht zu hinterfragen, auch wenn dieses hinterfragen durchaus wichtig wäre, weil es ja erlaubt ist, Befehle aus Gewissensgründen zu missachten. Das sind keine Eigenschaften, die einen mündigen Demokraten ausmachen, sondern es geht um Obrigkeitshörigkeit.

    Warum ältere Menschen für die Wehrpflicht sind, erkläre ich mir damit, dass sich ja von Generation zu Generation das Gerücht hält, dass die jüngere Generation keinen Respekt mehr hat und ihr wichtige Werte abhandengekommen sind, die durch so eine Pflichtveranstaltung vermittelt werden könnten. Also nicht wirklich was neues und nichts, was mich überzeugen würde.

  2. Da D niemand verteidigen will (laut Umfragen), könnte man einfach nur hoffen, dass D nicht angegriffen wird. Dann eben Pech.

  3. „Wieder Wehrpflicht: Brauchen wir die wirklich?“

    Nö!

    Und zur Werbung für den Verein sage ich nur: Wenn Werbung die Wahrheit erzählen würde und auf nachzuprüfenden Tatsachen beruhte statt auf irgendwelchem Schönfärben und Erwähnen von Eigenschaften, die nur Nullinformation sind…

    Sollen doch die hingehen, die das so geil finden und die „alten Säcke“ findden es auch nur deshalb so gut, weil sie sich einbilden, dass es sie selber nicht mehr trifft. Hoffentlich haben die alle keine Kinder und Enkel.

    Es wäre ja schon ein Erfolg, wenn die BW sich endlich aus den Schulen heraushalten würde. Dieselben, die das für gut heissen, regen sich endlos über die durchmilitarisierte DDR auf, wo das auch in der Schule bereits anfing, dass man die Schüler für längere Dienstzeiten, Berufssoldaten oder die Stasi weichgeklopft hat.

  4. @ Sven heute, 13:44

    Mein Wehrdienst dauerte drei Jahre (freiwillige Verpflichtung im 4. Monat nach der Einberufung nachdem ich verstanden hatte, daß es erstrebenswert sein würde möglichst hoch in der Hierarchie aufzusteigen, um weniger Vorgesetzte zu haben die mir Befehle erteilen konnten).
    Ich bin als Kompanieoffizier und Leutnant abgegangen und habe durch den Reservedienst (mehrere Wehrübungen teilweise bis zu 6 Wochen Dauer) den Dienstgrad Oberstleutnant erreicht.

    Da wird es nicht verwundern, wenn ich drei Monate Wehrdienst – noch dazu mit der geschilderten Einstellung – für nicht Ernst zu nehmend einschätze. Insbesondere nicht geeignet pauschal & apodiktisch zu behaupten: „.. Es geht darum, Befehle nicht zu hinterfragen, auch wenn dieses hinterfragen durchaus wichtig wäre, weil es ja erlaubt ist, Befehle aus Gewissensgründen zu missachten. Das sind keine Eigenschaften, die einen mündigen Demokraten ausmachen, sondern es geht um Obrigkeitshörigkeit ..“

    Der Begriff „Innere Führung“ wurde Ihnen bei der kurzen Zeit die Sie als Rekrut zugebracht haben offenbar nicht nahe gebracht ….

    In Anbetracht dessen, was ich sonst noch zu ihren Anmerkungen zu sagen habe, und in Achtung der Blogbetreiberin, die ich hier nicht mit einer Auseinandersetzung beschweren möchte, finden Sie meine vollständige Stellungnahme ab morgen früh 11:00h unter der oben angegebenen Linkadresse zu meinem Weblog.

  5. @ Siewurdengelesen heute, 16:32
    Ein typisches Beispiel für die kritiklose Übernahme von Stammtischparolen dazu, wie – vermeintlich! – die Welt funktioniert.

    Nur soviel dazu:
    Der letzte Absatz ihres Kommentares ist pure Annahme – oder haben Sie da statistisch verläßliche Quellen / Befragungen als Beweis der überlappenden Parallelität des Personenkreises?

    Ist ihnen klar, welche Folgen es hätte wenn wir – beispielsweise – unter russische Besatzung kämen? Denken Sie dann hätten Sie immer noch die Möglichkeit hier in Blogs zu schreiben was Sie etwa zur Notwendigkeit von Militär zu sagen haben?

    Demokratische Rechte wollen ALLE haben – etwas dafür zu tun, Pflichten und Einschränkungen auf sich zu nehmen, das wollen die Wenigsten …!

  6. Nein. Ich rege mich zu sehr auf. Ich belasse es bei einem nein.

  7. @ Claudia am 22. März 2025

    Ich bitte um Entschuldigung wenn ich nicht gleich schreibe – ich habe heute eine abendliche Einladung, deswegen wäre die Zeit für eine adäquate Antwort zu kurz.
    Meine Stellungnahme folgt morgen nach 11:00h.

  8. @Wolfgang von Sulecki

    Zur Sache der Verbindungsoffiziere setze ich mal das rein:

    http://www.schulfrei-für-die-bundeswehr.de/

    https://www.imi-online.de/2025/03/17/die-re-militarisierung-des-bildungssektors-in-der-brd/

    So btw. war ich eine gute Zeit selber Elternvertreter in der Nachwende-BRD und den Zimt zu DDR-Zeiten durfte ich persönlich erleben. Da baut man mit der Zeit eine gewisse Allergie auf. Was derzeit in den Medien in Bezug auf Militarisierung wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine läuft, da spare ich mir die Luft, sonst wird es vielleicht wirklich ausfällig. Der Ukraine und im zweiten Abwasch der Bundeswehr ist damit am wenigsten gedient, sondern in erster Linie den Konten der Rüstungsunternehmen.

    Das dabei DDR/BRD nicht zu vergleichen sind, steht ausser Frage. Deshalb haben solche Bauernfänger an Schulen trotzdem nichts zu suchen genauso wie die Schnuppertage für Jugendliche etcpp., wo die fehlende mentale Reife und damit das Bedenken möglicher Folgen und Begeistern für allerhand technischen Schnickschnack ausgenutzt wird, um Rekruten zu finden. Da wird ja nichts darüber erzählt, wie öde Appelle, Marschieren und sturer Dienst sind, sondern wie toll die Technik ist mit Auslandsaufenthalten usw. – mit Speck fängt man halt Mäuse.

    So btw. wurde die Wiederbewaffnung und Gründung der BW erst 1955 möglich durch Einführen des Artikels 12a GG. Vorher war das überhaupt nicht vorgesehen. Über die geschichtlichen Hintergründe zu debattieren, die zu diesem Wandel geführt haben, führte hier aber zu weit ab vom Thema.

    Ist ihnen klar, welche Folgen es hätte wenn wir – beispielsweise – unter russische Besatzung kämen? Denken Sie dann hätten Sie immer noch die Möglichkeit hier in Blogs zu schreiben was Sie etwa zur Notwendigkeit von Militär zu sagen haben?

    Dann hätten wir ganz andere Probleme und die löste auch keine Bundeswehr mehr – egal ob Freiwlligen- oder Berufsarmee. Auf solche „Bündnispartner“ wie einen Trump würde ich da jedenfalls besser auch nicht setzen.

    Die Keule russische Besatzung zu ziehen, zeugt auch nicht gerade von konstruktiver Diskussion. Denen dürften die demokratische Werte in D nämlich relativ egal sein. Bis dahin muss ich für deren Verteidigen jedenfalls auch kein Gewehr bedienen können. Ob die demokratische Verfasstheit oder die freie Meinungsäusserung der Bundesrepublik dadurch besser würde, dass jeder den Grundwehrdienst ableistet und/oder ob das überhaupt der Existenz einer Bundeswehr zu verdanken ist, lasse ich auch mal im Raum stehen.

    Aussagen darüber, dass der Wehrdienst wie in Ihrem Beitrag „Nicht zu ver­ges­sen auch die Tat­sa­che, daß so man­cher drecki­ge, pöbeln­de und unhöf­li­che Jung­mann durch das Mili­tät zu einem umgäng­li­chen, gepfleg­ten und ordent­li­chen Men­schen gemacht wurde.“ halte ich übrigens irgendwie auch für „Stammtischgeschwätz“ oder mindestens billige Polemik.

    Die Ihrerseits erwähnte „Innere Führung“ ist ebenfalls nicht unumstritten und wird mindestens dergestalt kritisiert, dass sie aus ihrem Entstehen heraus nicht mehr zeitgemäss ist und immer mehr Flickenteppich statt mentales Grundgerüst.

    In vielen „Eliteeinheiten“ wird das sowieso nur müde belächelt und stattdessen wieder „Härte“ und Befehlsvollzug ohne Nachdenken gefordert (das muss dieser Wandel zum „ordentlichen Menschen“ sein). Das bringt einen dann gleich zum nächsten Punkt, wonach eben solche hierarchische Systeme immer dazu tendieren, Zwang auszuüben, Korpsgeist zu entwickeln und über die langen Linien selbst berechtigte Kritik abzubügeln oder als Nestbeschmutzen anzusehen – Tendenz Militarismus/rechtes Denken. Beispiele für diese Vorfälle muss ich ganz sicher nicht erwähnen.

  9. Ich bin im Osten geboren und gehörte zu denen, die als erste die „Vormilitärische Ausbildung“ mitmachen „durften“. Unsere „Ausbilder“ schliffen uns, kaum eine Nacht, in der man durchschlafen konnte. Mich liebten sie besonders, weil ich nicht in der Lage bin, im Gleichschritt zu laufen. Keine Ahnung, wie das heute heißt, damals nannte man das „Bewegungsidiot“. Ist aber eigentlich eine Behinderung. Waren nicht die hellsten, die da Spaß dran hatten. In der letzten Woche gab es dann „KK-Schießen“ eine kleinkaliber MG, mit Einzel und Dauerfeuer. Wir waren zu fünft. einer im Schießtunnel, 4 Mann in Vorbereitung. Der, der als nächster dran war, bekam sein Magzin. Er mochte Waffen und wusste Bescheid- dachten alle. Aus versehen hat er mit einer Salve dem Kameraden, der neben mir saß den Bauch aufgerissen. Ich war 16… Diese Bilder im Kopf wünsche ich all den Militaristen. Heute kann ich stolz sagen, das ich den Zeitzünder gebastelt habe, um den Import (Stasi-) Volvo des Lagerkommandanten abzufackeln. Das war ich Andreas schuldig. Nein, ich habe soetwas nie wieder gemacht und- keine Waffe mehr angefasst.
    Ich würde mich lieber vom Russen regieren lassen- (kenne ich ja schon) Eine Wehrpflicht? NEIN DANKE. Wer sich freiwillig in dieses Wagnis begeben will: bitte. Sicherlich ist das extrem. Und- ich war nie bei der Armee. Die DDR hätte mich wohl mit 27 gezogen, die Bundeswehr wollte mich nicht: ich wäre auch nicht gegangen.

  10. @Wolfgang von Sulecki

    ich bin ein sehr neugieriger Mensch und hätte mir ihre Antwort in ihrem Blog wahrscheinlich auch durchgelesen, wenn sich ihr Kommentar wie eine Einladung angehört hätte. Tatsächlich hörte er sich wie ein persönlicher Angriff auf meine Person an – egal, ob das jetzt ihre Intention war oder nicht. Ihren Blogeintrag würde ich jetzt genau so lesen, als persönlichen Angriff auf mich. Das ergibt keinen Sinn, weil sie – da gehe ich jetzt einfach einmal davon aus – in ihrem Beitrag mit Sicherheit nur ihre Sicht der Dinge wiedergeben möchten und mit Argumenten belegen wollen, warum mein Kommentar falsch ist.

    Jetzt aber mal zu meiner Einstellung von vor 21 Jahren: Ich hatte mich damals nämlich schon vor dem Dienstantritt – ich brauchte dazu keine drei Monate – freiwillig zu einem längeren Grundwehrdienst gemeldet. Es wären damals 21 Monate gewesen und nicht nur 9. Dass ich mich während der Grundausbildung verletzt habe und meine Psyche dann auch nicht mehr mitgemacht hat, ist im Nachhinein betrachtet, mein Glück gewesen. Wäre es nicht so gekommen, hätte ich bereits ab den 4ten Monat in die Unteroffizierslaufbahn wechseln können, da ich damals schon eine passende Berufsausbildung hatte. So viel also zu meiner Einstellung, die heute, 20 Jahre später (ich war dann 2005 beim Bund) eine grundlegend andere ist! Ich hätte übrigens damals auch komplett Wehr- und Zivildienst ablehnen können, da zu diesem Zeitpunkt schon zwei meiner Geschwister bei der Bundeswehr waren. Ich glaube also, dass ich der Bundeswehr damals sehr offen gegenüber stand, ich bin dort allerdings nie hingegangen, um dort anderen Menschen Befehle zu erteilen!

    Und dieses Befehle erteilen, dieses in einer Hierarchie zu dienen, hat übrigens eben nicht viel mit Demokratie zu tun, auch nicht mit Demokratieerziehung. Es ist autoritär und eben nicht demokratisch. Jetzt wird es schwer, eine Armee demokratisch zu organisieren, aber dann sollte eine Wehrpflicht eben auch nicht immer mit dem Argument verteidigt werden, dass dadurch demokratische Menschen geformt werden. Werden sie nicht, es werden Menschen geformt, die in autoritären Strukturen funktionieren.

    Die innere Führung, die hier erwähnt wird, habe ich mit meiner Aussage zur Geltung bringen wollen, als ich schrieb, dass es durchaus erlaubt ist, Befehle aus Gewissensgründen zu verweigern. Das klingt in der Theorie wunderschön, in der Praxis wird es in den meisten Fällen eine Bestrafung wegen Befehlsverweigerung geben!

    Mein Bruder, der Zeitsoldat war, hat übrigens eine komplett andere Einstellung zur Bundeswehr und wir können uns super darüber streiten, aber halt nicht auf der persönlichen Ebene. Vielleicht schaffen sie es ja noch – bis morgen früh um 11 – eine freundliche Einladung auszusprechen, ihren Artikel zu lesen, die sich nicht wie ein persönlicher Angriff anfühlt.

    PS: Ich hätte übrigens nie erwähnen müssen, dass meine Zeit bei der Bundeswehr relativ kurz war. Ich habe dies aus Transparenzgründen getan.

  11. Achso, um das noch zu ergänzen: Natürlich tangiert die Aussage, die ich mit der Befehlsverweigerung gemacht habe, nur den Themenbereich „innere Führung“, und natürlich wird da in der Theorie vom Staatsbürger in Uniform gesprochen, aber das bedeutet noch lange nicht, dass das in der Praxis genau diese Wirkung hat. Eine autoritäre Ausbildung, die auf Hierarchien setzt, ist eben weiterhin eine autoritäre Ausbildung. Da kannst du als Soldat mitdenken, wie du willst: Es geht auch bei der „inneren Führung“ um Befehl und Gehorsam!

    Und nein, ich bin mit 3 Monaten Grundausbildung auch kein Experte beim Thema „innere Führung“, habe mir aber den Wiki-Artikel dazu durchgelesen, wenn er hier schon verlinkt ist. Hört sich schön an, ändert am Ende aber nichts daran, dass die Bundeswehr ein autoritäres, auf Hierarchien setzendes System ist. Das ist einer Armee halt inhärent!

    Abschließend dann noch die provokative Frage:

    Braucht es eine Armee, um die Demokratie zu verteidigen oder braucht es eine Armee, um einen Nationalstaat zu verteidigen?

  12. @alle: Ich danke Euch für Eure interessanten Kommentare und Erfahrungen mit dem Wehrdienst! Kontroversen finde ich ok, solange argumentiert und nicht nur „geschimpft“ wird – wobei es (das ist eine Hürde) natürlich auch darauf ankommt, wie man Äußerungen individuell erlebt, bzw. wie dünn- oder dickhäutig man bei einem Thema jeweils ist.

    Bezüglich des angekündigten Blogbeitrags von Wolfgang von Sulecki erwarte ich nicht alleine eine Stellungnahme zu einem einzelnen Kommentar hier, sondern – auch – zum Blogpost insgesamt, der ja als Kommentar gestartet wurde und wegen der sich ergebenden Länge hier zum Artikel wurde.
    Ich würde immer erstmal LESEN, und nicht gleich vorab verurteilen, was noch garnicht Text geworden ist!

    Was das Verhältnis „Demokratie“ und Wehrdienst angeht, neige ich zu Svens Statement, „dass die Bundeswehr ein autoritäres, auf Hierarchien setzendes System ist. Das ist einer Armee halt inhärent! Und füge an: Wie sollte es denn anders sein? Ernsthafte Frage! So eine Armee ist doch dazu da, im Ernstfall kriegerisch zu verteidigen – sollen die Soldaten da immer erst ausdiskutieren, was aus ihrer Sicht jetzt der sinnvolle nächste Schritt ist? Gleichwohl kann ich mir vorstellen, dass es Bereiche in Ausbildung und dem folgenden Wehrdienst gibt, wo so ein Mitdenken und Mitentscheiden seinen Platz haben kann – aber ich weiß zuwenig darüber, um das wirklich beurteilen zu können.

    Der Antimilitarismus, der aus vielen Kommentaren spricht, hat in DE eine lange Tradition, vor allem auch historisch bedingt. Kürzlich postete jemand auf X:

    Der Pazifismus, der meint, heute noch ohne Militär und Verteidigungsfähigkeit auskommen zu können, sieht die Sache „durch die Täterbrille“: Hätte Hitler den Krieg nicht angefangen, hätte es keinen Krieg gegeben. Unsere Nachbarn sehen eher „durch die Opferbrille“ – und deshalb ziemlich anders.

    Zum Thema „russische Besatzung“: Auch ohne dass „der Russe kommt“, kann ein krass militantes und kriegsgeneigtes Land wie das derzeitige Russland starken Einfluss auf ein anderes Land ausüben, das erkennbar ohne Verteidigungsfähigkeit dasteht. Zudem geht es nicht nur um Deutschland, sondern um Europa: Soll das wieder zerfallen und jeder sei sich selbst der Nächste, insbesondere z.B. bezüglich der baltischen Staaten? Ich sehe durchaus, dass die Abwendung der Trump-Administration vom Bündnis eine „Zeitenwende“ bedeutet, die auch militärisch Konsequenzen haben muss.

    Vor nicht allzu langer Zeit hätte ich noch allen antimilitärischen Statements zugestimmt – das hat sich geändert, denn ich habe eingesehen, dass unsere gefühlte Unverwundbarkeit im wesentlichen auf dem amerikanischen Schutzschirm beruhte. Der natürlich nicht aus Altruismus bestand, sondern aus geopolitischen Interessen der USA, die sich nun aber drastisch geändert haben.

    Noch zu Sven: „Braucht es eine Armee, um die Demokratie zu verteidigen oder braucht es eine Armee, um einen Nationalstaat zu verteidigen?“
    Beides ist untrennbar miteinander verbunden, denn ohne Nationalstaat gibt es keinen Bereich, in dem sich ein demokratisches System entwickeln und halten kann.

  13. Beides ist untrennbar miteinander verbunden, denn ohne Nationalstaat gibt es keinen Bereich, in dem sich ein demokratisches System entwickeln und halten kann.

    Und genau hier würde ich dir widersprechen. Es gibt keine Notwendigkeit eines Nationalstaates, der immer ein ausgrenzendes System ist, welches in Wettbewerb zu anderen Nationalstaaten steht, um ein demokratisch organisiertes Gesellschaftssystem zu etablieren. Du sprichst ja von der EU, die ja als supranationaler Player ebenfalls die Demokratie schützen soll (auch wenn die Anfänge der EU ein reines Wirtschaftsbündnis waren).

    Ansonsten sprichst du die Verteidigungsfähigkeit an, um die es in der Ausgangsfrage ja erst einmal gar nicht geht. Natürlich sehen wir durch den Angriffskrieg von Russland, dass wir verteidigungsfähig sein müssen, aber in einer Demokratie sollten wir eben schon in der Lage sein, zu akzeptieren, dass es verschiedenste Gründe für Menschen gibt, warum sie eben nicht an der Waffe dienen möchten. Darum ist der Ansatz der Freiwilligkeit immer ein guter und die Verteidigung der Demokratie und des Landes kann eben auch an anderen Orten stattfinden. Der Handwerker, der beschädigte Infrastruktur wieder instandsetzt, zum Beispiel. Der tut doch in diesem Bereich auch seine Pflicht und muss nicht unbedingt gedient haben, um dies zu tun.

    Ich glaube übrigens fest daran, wenn es die richtigen Werte sind, die verteidigt werden sollen, dass dann auch eine Mehrzahl der Menschen genau das tun würden. Ich kann aber gut verstehen, dass diese Menschen nicht bereit sind für Interessen zu sterben, die nur wenigen Menschen einen Vorteil bringen.

    Es gab gestern – nachdem ich den Beitrag hier im Fediverse geteilt habe – auch dort eine interessante Diskussion, in der es eben auch darum ging, Menschen eine Ausbildung zur Verteidigungsfähigkeit zu geben, ohne dass es eine Wehrpflicht ist. Das halte ich für einen interessanten Ansatz, der dann aber für alle Menschen in diesem Land gilt, egal ob Mann und Frau. Es braucht dann auch nicht immer den Vorwand, dass das irgendwas mit Demokratiebildung oder Erziehung zu einem verantwortungsvollen Staatsbürger zu tun hat, sondern es geht um Verteidigung.

    Noch zur erwarteten Antwort: Ich habe hier mein Gefühl wiedergegeben, welches ich beim Lesen des Kommentars hatte und warum ich diesen jetzt nicht unvoreingenommen lesen kann. Zitat:

    In Anbetracht dessen, was ich sonst noch zu ihren Anmerkungen zu sagen habe, und in Achtung der Blogbetreiberin, die ich hier nicht mit einer Auseinandersetzung beschweren möchte, finden Sie meine vollständige Stellungnahme ab morgen früh 11:00h unter der oben angegebenen Linkadresse zu meinem Weblog.

  14. Der Text als Antwort auf die Kommentare hier ist jetzt online
    https://www.re-actio.com/wordpress/?p=120450

    [Ich habe die benötigte Zeit bedauernswerterweise unterschätzt]

  15. […] fragte in ihrem Blog: »Wieder Wehrpflicht: Brauchen wir die wirklich?«. Sie spricht vor allem das an, was wir beide — schon aus zeitlichen Gründen — in dieser […]

  16. @Sven: Deinen ersten Absatz verstehe ich nach wie vor nicht! Ohne einen Staat gibt es doch garnichts, was regiert werden kann – egal wie, demokratisch, totalitär oder sonstwie. Wir haben doch gar nicht die Wahl, einen Staat zu wollen oder nicht, denn wir wurden – zum Glück! – in diesen hineingeboren. In einem „Failed State“ (z.B. aktuell Haiti, Kongo…) würde ich nicht leben wollen, da herrscht nurmehr das Recht der Stärkeren.
    Ab dann bin ich voll bei dir, mein ganzer Post ist ja ein Plaidoyer für die Freiwilligkeit! Und gerne sollte der Dienst erweitert werden, über die jetzt schon möglichen Katastrropheneinsätze hinaus und auch alles andere, was früher unter Zivildienst lief und mehr. Natürlich dann für alle.

    @Wolfgang v. Sulecki:
    Sven hatte (entgegen meiner Erwartung) recht, Ihr Beitrag bezieht sich tatsächlich auf die Kommentare, nicht auf den Blogartikel selbst. Werde das dennoch gerne lesen, brauche aber noch ein bisschen Zeit dazu.

  17. Guten Abend Frau Klinger,
    obwohl ich im Ruhestand bin fehlt es mir manchmal an Zeit. Meine Frau ist blind, deswegen fallen die meisten Erledigungen auf mich zurück.

    Ich versuchte hier erst einmal die Kommentare zu beantworten und war bis eben der Meinung, daß da schon Stellungnahme zum Artikel enthalten sei.
    Wenn Sie mir bitte noch etwas Zeit geben werden ich alles nochmal ansehen und dann versuchen umfänglicher zu antworten.

  18. @Claudia, ja, wir sind in einem Staat geboren und haben da keine andere Wahl, aber der Nationalstaat ist eben ein Konstrukt, welches auf Abgrenzung und Ausgrenzung hinausläuft. Auch die Abwertung der „Anderen“, die nicht dazu gehören, ist diesem System inhärent. Aber weil wir derzeit in solchen Systemen organisiert sind, heißt es ja nicht, dass das unbedingt benötigt wird, um in einer demokratischen Gesellschaft zu leben.

    Vielleicht ist es einfacher zu verstehen, wenn ich als Gegenkonzept dann die gesamte Welt als einen Staat bezeichne. Und ja, auch hier sind dann Entscheidungen, die bestimmte Regionen betreffen, auf diese Regionen begrenzt und werden dort dann von allen betroffenen Menschen gemeinsam in demokratischer Form getroffen. Dabei gibt es aber keine starren Grenzen mehr, sondern es geht immer um die Betroffenheit. Das kann dann mal eine größere Region sein oder eine kleinere, je nachdem, wie viele Menschen von dem, über das eine demokratische Entscheidung getroffen wird, betroffen sind.

    Dazu braucht es natürlich eine radikale Form der Demokratie, die dann eben nicht mehr repräsentativ organisiert ist. Ist eine Utopie und bevor wir dahin kommen, braucht es noch viel Bildung. Aber es ist nicht nur denkbar, sondern auch machbar. Und ich möchte gar nicht abstreiten, dass wir auf dem Weg dorthin auch den Nationalstaat als Keimzelle für die Demokratie brauchen/brauchten, aber der Mensch und all seine geschaffenen Systeme und Konstrukte entwickeln sich ja durchaus weiter, auch mit der Technik, die wir zur Verfügung haben. Eine Weltweite demokratische Organisation war vor 50 Jahren wahrscheinlich gar nicht möglich, weil wir die nötigen Werkzeuge nicht hatten, inzwischen wäre eine solche Vernetzung möglich.

    Aber keine Angst, bevor wir diese Utopie leben können – also ich wahrscheinlich nicht mehr – braucht es erst einmal eine komplett andere Sozialisierung und sehr viel mehr demokratische Bildung.

    (Ich habe gerade das Gefühl, dass ich das schon einmal hier in einem anderen Beitrag geschrieben habe. Und wir sind damit auch meilenweit vom eigentlichen Thema entfernt, ich hoffe, es ist dennoch okay.)

    Ein schönes Buch zum Thema, also mit welchem Werkzeug das funktionieren könnte, was ich oben schrieb, ist „Nicht über unsere Köpfe“ von Erich Visotschnig.

  19. In Anlehnung an einen antikapitalistischen Slogan:

    Wenn Krieg toll wäre, würden die Verteidigungsminister und die Vorstände der Rüstungskonzerne persönlich an der Front kämpfen und sterben statt feige andere Leute vorzuschicken.

  20. @Sven: mal davon abgesehen, dass solche Utopien wirklich sehr sehr utopisch sind, kann das nicht funktionieren. Schon wenn in einem Bezirk demokratisch Autos die Einfahrt verwehrt wird, stauen sich die Wagen in den angrenzenden Bezirken und senken die Lebensqualität dort erheblich -> sowas wäre dann ein „Kriegsgrund“. :-) Es hatte schon seinen Sinn, dass sich hunderte Fürstentümer zu größeren Einheiten zusammenschlossen – oder zwangsweise vereinigt wurden.

    @Paul: niemand führt Krieg, weil „Krieg toll ist“!

  21. Stimmt. Gefühlt die meisten deutschen Parteien wollen Krieg führen, weil sie tief im Rektum der NATO und damit der USA stecken.

    Junge Erstwähler, die die Grünen wegen des Klimas gewählt haben (und zu jung sind, um den Kosovo-Sonderparteitag noch miterlebt zu haben oder gar zu wissen, dass die Grünen ursprünglich mal pazifistisch waren), müssten sich echt verarscht vorkommen, wenn sich ausgerechnet die Grünen kriegslüstern hoch zehn aufführen. Stichwort „ich hab nicht für’s Klima demonstriert, um stattdessen durch Atomwaffen verseucht zu werden.“

    (Die Quelle für Pauls Spruch lautet übrigens in etwa: „Wenn Arbeit Spaß machen würde, würden die Bonzen sie behalten.“)

  22. @ Frau Klinger / Claudia
    [Zitate aus dem Ausgangs-Artikel kursiv]

    1. “ .. Es war eine leidige Pflicht, der man gerne entkommen wollte: Durch Zivildienst oder Umzug nach Berlin. Und jene, die Wehrdienst leisteten, machten es, weil der kürzer war als Zivildienst, nicht aufgrund toller Motive wie „Demokratie durch Dienst an der Waffe stützen“ oder dergleichen! ..“

    Für einen Teil der zwangsweise eingezogenen Männer war es bestimmt so wie beschrieben. Ich hätte selbst gern sofort nach dem Abitur angefangen zu studieren – und wer läßt sich schon gern etwas befehlen? Ist es nicht der Erfahrung nach so, daß es immer wieder andere Hindernisse gibt?

    Am Tag des Diensteintritts wurde ich von einem Unteroffizier empfangen der sah sich meinen Bart und meine Haare an und fragte „Haben Sie einen Rasierapparat mit?“ Ich bejahte und es fuhr fort „Dann benutzen Sie den gleich mal und rasieren den Bart komplett ab! Danach melden Sie sich beim Kompaniefeldwebel und lassen sich auf die Frisör-Liste setzen!“

    2. „.. Der Wehrdienst wurde als Zeit sinnlosen Herumhängens in Kasernen erlebt, wenn die Zeit der drastischen (und viele körperlich überfordernden) Grundausbildung vorbei war ..“

    Das habe ich anders erlebt, beobachtet und als Kompanieoffizier eingerichtet. Mit etwas Engagement und Einfallsreichtum konnte Vieles organisiert werden – wenn man es wollte! Da muß ich zugeben viele weniger motivierte Dienstgrade erlebt zu haben – bilanzierend allerdings hat sich das im Lauf der Jahre von ’67 bis ’99 graduell verbessert.

    Für Viele war es die erste Zeit die sie alleine an einem anderen Ort wohnten, neue Erfahrungen sammeln, und neue Leute kennen lernen konnten. Nicht wenige nutzten die Gelegenheit nebenbei während des Wehrdienstes das Ausbildungsangebot wahrzunehmen und sich so für spätere, zivile Beschäftigung im öffentlichen Dienst zu positionieren.
    Ich kenne zwei Fälle in denen die Prüfung zum Fahrlehrer während der Dienstzeit zur freiberuflichen Tätigkeit führte.

    Zu 1. & 2.:
    Da sie nicht Wehrdienst geleistet haben nehme ich an daß Sie diese Vorstellung aus Berichten derer gewonnen haben die dort waren (Annahme, kein Angriff!)

    Dabei ist zu bedenken:
    Wer unzufrieden ist berichtet es 100 Leuten, wer zufrienden ist 10. (fiktive Zahlen, es geht um die Relation) Aber das wußten Sie ja bestimmt schon

    3. „.. Zum freiwilligen Dienst können auch Ältere gewonnen werden und seit 2001 stehen auch Frauen alle Laufbahnen einschließlich der Kampftruppen offen ..“

    Wenn die körperliche Verfassung es erlaubt sollte keine Grenze beim Alter gesetzt werden. Was den Dienst von Frauen angeht könnte man die Bedingungen angleichen an die, die bereits bestehen und wie sie in anderen Ländern gehandhabt werden. Auch freiwilligem Dienst sollten da Grenzen gesetzt werden, da Übereifer schwere gesundheitliche Folgen haben könnte – auch bei Männern übrigens!“
    Verantwortungsvolle Vorgesetzte werden das erkennen und entsprechende Entscheidungen mit den Betroffenen besprechen / bzw.treffen, wenn sie es für die bessere Lösung halten. Leistungsunterschiede und -grenzen werden von Militärärzten begutachtet, das ist sinnvoll und angemessen.

    4. „.. warum eigentlich nicht von den USA lernen? Über den den Wehrdienst zur Staatsbürgerschaft ..“

    Das ist aus meiner Sicht keine gute Idee, denn das Ziel wird verbissen verfolgt, selbst wenn sich herausstellen sollte, daß es die Person überfordert oder aus anderen Gründen nicht sinnvoll erscheint.

    5. „.. Ich glaube nicht an die Wiedereinführung der Wehrpflicht ..“
    Faktisch wurde die Wehrpflicht nie abgeschafft, nur ausgesetzt.

    Dennoch ist es eine gute Idee die in Frage kommenden Jahrgänge per Mail anzusprechen …. aber wird das ausreichen? Da kommt es auf die Bedingungen an …. und es bleibt immer noch die Option das zu ändern wenn die Notwendigkeit eintreten sollte.

  23. Saltatio Mortis – Linien im Sand

    Versengold – Tod und Trommeln

    Diejenigen, die da am lautesten plärren für inzwischen „Kriegstüchtigkeit“ usw., sind dann samit ihrer Bagage trotzdem maximal das, was man Etappenschweine nennt, wenn sie sich nicht gleich ganz verdünnisieren, aber dafür um so lauter für „Kaiser, Gott und Vaterland“ krähen.

    Wenn es wirklich rumpelt, liesse sich immer noch überlegen, ob man wie Falle Ukraine einen Aggressor militärisch bekämpfen will oder waffenlos durch passiven Widerstand, aber nicht für ein Vaterland oder einen Staat als fiktives Gebilde, dass sich sowieso keiner raussuchen konnte. Kreuze für anonyme Soldaten stehen nicht nur in Europa schon genug herum, die für irgendeinen falschen Popanz den Arsch hochgemacht haben. Deutschlands „Freiheit“ wurde auch schon am Hindukusch „verteidigt“.

  24. @Alina: Wenn die Trumps et al in den USA uns signalisieren, dass die NATO ihre Schutzfunktion (Art.5) nicht mehr ernst nimmt, ist es nicht „kriegslüstern“, die Konsequenzen zu ziehen und sich um die Verteidigungsfähigkeit Europas selbst zu kümmern.

    @Wolfgang: danke für deinen ausführlichen Kommentar auch hier! Du hast eine vergleichsweise positive Erfahrung in der Bundeswehr gemacht, die – zumindest was meinen Eindruck aus den Erzählungen von jenen, die dort waren angeht – nicht unbedingt allgemein so waren. Aber hey, es ist lange her, die Verhältnisse haben sich geändert, Geld ist nun vorhanden – warum sollte es nicht besser werden? Aber nach wie vor denke ich, dass man zunächst versuchen sollte, die Bundeswehr mit Freiwilligen fit zu machen! Wenn man dann sieht, dass das nicht klappt, kann man immer noch umdenken.

    @Thomas: Mich wundert immer wieder diese mangelnde Wertschätzung unseres Landes! Es ist immerhin eins der beliebtesten Fluchtziele für Geflüchtete aus aller Welt. Und Trump hasst uns auch wegen des Sozialstaats und der Arbeitsrechte („die haben so viel Urlaub…“), nach wie vor tolle Errungenschaften, auch wenn es so aussieht, als sei es nie genug! Unsere Medienlandschaft ist weit diverser und liberaler als das, was in den USA noch übrig ist und ich empfinde auch eine große Freiheit, mein Leben zu leben wie ich mag und zu sagen, was ich denke. Ich bin froh, in Deutschland geboren zu sein und mit der EU weggekommen zu sein vom staatlichen KleinKlein, nervigen Grenzübergängen, zig Währungen und eigenen Standards für den Warenaustausch in jedem Land. Hier ein Vergleich im OECD-Index nach verschiedenen Kriterien:

    Deutschland schneidet im Vergleich zu anderen Ländern des Better Life Index nach vielen Messgrößen der Lebensqualität gut ab. Seine Werte liegen über dem Durchschnitt in den Bereichen Bildung, Work-Life-Balance, Beschäftigung, Umwelt, Zivilengagement, Sicherheit und Lebenszufriedenheit.

    Ich finde schon, dass dieses Land und Europa insgesamt verteidigenswert ist und möchte nicht „unter Putin“ leben. Das war nicht immer so, in jungen Jahren hatte ich auch meine staatsfeindliche Phase (passend zu deinen Songs), aber je älter ich wurde und je mehr Überblick ich über die Weltpolitik und die Zustände anderswo mitbekam, desto mehr hat sich das geändert.

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